Sternzeichen Jungfrau


Zeitraum des scheinbaren Sonnendurchgangs: 24. August – 23. September

Lateinisch: Virgo

Deutsch: Jungfrau

Ekliptikale Länge: 150°–180°

Zu Unrecht gilt die Jungfrau als manchen als langweilig, erbsenzählerisch oder freudlos. Denn die Arbeitsbiene des Tierkreises hat für die Gesellschaft eine unschätzbar wichtige Funktion zu erfüllen. Mit ihrer großen Fähigkeit, die Notwendigkeiten in allen Lebensumständen zu erkennen, und sich ohne weiteres Federlesen daran anzupassen, tut sie einen wertvollen Dienst an der Gemeinschaft, den andere Tierkreiszeichen wegen ihrer Konzentration auf sich selbst oft gar nicht erst erkennen.

Das wohl größte Talent der Jungfrau ist ihr Sinn für Details. Darüber vergisst sie aber niemals das große Bild, denn sie versteht es, jede Einzelheit zu einem Gesamtkunstwerk zusammenzufügen. Ob im Job eine anstrengende Routine zu tun ist oder im Haushalt die Fliesen geputzt werden müssen: die Jungfrauen stehen quasi dauernd mit Scheuerschwamm und Eimer bereit, um Arbeit zu erledigen, die andere ungern verrichten. Denn sie wissen, dass nichts wertlos ist, was man für (anstatt gegen) etwas macht. So gesehen, haben die Geborenen dieses Sonnenzeichens eine echte Tendenz zum aufopferungsvollen Dienen.


Ohne Jungfrauen in einem menschlichen Zusammenhang funktioniert nichts. Das ist die Wahrheit, die naserümpfende Mitmenschen manchmal übersehen, wenn sie die Vertreter dieses Tierkreiszeichens ironisch als „Buchhalter“ abstempeln. Wer das Geld ausgibt, wird schnell am Ende sein, wenn niemand mehr weiß, wohin es abgeflossen ist. Und so hat die Jungfrau aus ihrer unterstützenden Funktion heraus oft letztlich die Fäden in der Hand. Sie entdeckt – mit einem außergewöhnlichen Hang zu Kritik – Fehler, die unaufgedeckt zu Katastrophen führen können. Auch wenn sie zunächst noch so klein sind, dass sie niemandem sonst auffallen. Insofern zeigt sich die Jungfrau immer wieder als Retterin allen Lebens.


Sie ist genau, führt Listen, zeichnet (wenn nicht buchstäblich, dann wenigstens geistig) alle Vorkommnisse peinlich genau auf, vergisst niemals ein Detail und weiß besser als jeder andere, wie etwas laufen muss, wenn es laufen soll. Praktische Vorgänge organisiert sie mit einer Leichtigkeit, um die andere Menschen sie beneiden. Ihre erste Reaktion, immer zunächst den Fehler im System zu benennen, bevor sie lobt, macht sie allerdings manchmal unbequem für die Umwelt. Intuitiv besitzen Jungfrauen in ihrem Verstand zahllose kleine Schubladen, in die sie das Leben einordnen können – so dass es sofort auffällt, falls etwas nicht seine Richtigkeit hat. Dieses innere Ordnungsprinzip hat schon so manchem Gegenüber der Jungfrauen den Hals gerettet, auch wenn er zuvor über die Akribie spöttelte.

Wie der Herrscher des Zeichens, Merkur, der ständig agil in der Welt unterwegs ist, um alle möglichen Strömungen zu benennen, hat auch die Jungfrau selbst einen reagiblen Geist, der Veränderungen fast zwanghaft wahrnimmt und extrem schnell auf sie reagiert. Sie ist ein lebendes Messinstrument für alles, was der Existenz gefährlich werden könnte – und nicht nur ihrer eigenen. Vielmehr vergessen Jungfrauen in ihrem intuitiven Empfinden dafür, wie man die Erde am Kreisen hält, viel zu oft die eigene Person. In Notsituationen, auf die sie gepolt sind, machen sie sich oft reflexhaft zu Führern der Verwirrten – und laufen zu ungewohnter Größe auf. Dabei bleiben sie immer bescheiden, weil sie ihren Platz in der Hierarchie kennen und für ihren Dienst nicht gelobt werden müssen, da er selbstverständlich ist.


Bei so viel Sinn für Gefahren entsteht auch das Bewusstsein für eine Menge Angst, die anderen Tierkreiszeichen wegen ihrer größeren Verdrängungsfähigkeit erspart bleibt. Jungfrauen kennen oft schon von Kindheit an so viele Ängste, dass Schutz zu ihrer zweiten Natur geworden ist. Immer sehen sie aber einen Weg, ohne große Diskussionen Dinge zu ändern. Wenn es so nicht geht, geht es eben anders – es hat ja keinen Zweck, sich auf die Ungerechtigkeit der Situation zu versteifen. Eltern von Jungfraukindern sollten genau beobachten, ob ihr Nachwuchs unter Stress beginnt, sich selbst aufzuopfern und versucht, sein Leben zugunsten eines anderen zurückzustellen. Als kleine Helferlein müssen sie sanft, aber bestimmt auch dahin geführt werden, der Welt ein bisschen Spaß abzugewinnen, das sie sich oft nicht gönnen, wenn es für sie innerlich eng wird. Das geschieht stets, falls jemand anderer in Not ist.


Die Jungfrau beschäftigt sich gern mit Systemen – als Kind ordnet sie Knöpfe, als Erwachsener faszinieren sie die klaren Regeln der Zahlen. Dabei bleibt sie immer realitätsangepaßt und hat viele Mechanismen entwickelt, Missstände zu bereinigen. Ihre Ordnungsliebe und Sauberkeit hat sich herumgesprochen – fängt sie allerdings an, die Ordnung nur noch um des Prinzips Willen durchzusetzen, dann stimmt meist etwas seelisch nicht. Psychischer Stress führt bei ihr – öfter als bei anderen – zu Schwächungen der Konstitution. Das zeigt sich dann an Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Hautproblemen oder anderen psychosomatischen Störungen bis hin zur Hysterie. Als Reaktion ist es hilfreich, ihr eine stille Umgebung mit klaren Formen und berechenbaren Ereignissen zu bieten. Meist kommt dann bei dieser stillen Heldin des Kosmos alles wieder schnell ins Lot.